Kircheneintritt Fragen und Antworten

Wer kann Mitglied der Evangelischen Kirche werden?
Welche Schritte muß ich für den Kircheneintritt unternehmen?
Welche Formalitäten müssen erledigt werden?
Welche Rechte und Pflichten entstehen für mich durch den Eintritt?
Welche Kosten kommen auf mich zu?
Was ist Kirchensteuer
Kann ich , in der Vergangenheit aus der ev. Kirche ausgetreten,  wieder eintreten?
Kann ich die Aufnahme in eine Gemeinde beantragen, auch wenn ich an anderer Stelle wohne?

Kirchenaustritt
Welche Schritte muß ich für den Kirchenaustritt unternehmen?
Welche Konsequenzen hat der Austritt für mich?
Welche Kosten kommen auf mich zu?

Wer kann Mitglied der Evangelischen Kirche werden?
Durch das Recht der freien Religionsausübung hat jeder und jede die Möglichkeit,   die Aufnahme in die Evangelische Kirche zu beantragen, sofern er nicht (mehr) Mitglied einer anderen Religionsgemeinschaft ist.
Beim Übertritt von einer in die andere Kirche muss die Bescheinigung des Austritts vorgelegt werden.
Voraussetzung für eine Aufnahme ist die Taufe.   Ist die Taufe in einer anderen Kirche schon erfolgt, wird sie in der Regel anerkannt, sofern die Kirche zu den anerkannten Kirchen des ACK gehört. Religionsunmündige getaufte Kinder unter 14 Jahren benötigen eine schriftliche Erklärung der Erziehungsberechtigten zum Aufnahmeantrag.
Über die Aufnahme kann in naher Zukunft jeder Pfarrer in der ev. Kirche in Deutschland entscheiden, zur Zeit ist dies in vielen Fällen noch nicht möglich und bleibt dem Ortspfarrer/der Ortspfarrerin und dem Presbyterium vorbehalten .

Welche Schritte muß ich für den Kircheneintritt unternehmen?
1) Zunächst wird ein Gespräch mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin der Ortsgemeinde oder in der Kircheneintrittstelle geführt.
In diesem Gespräch wird in der Regel über die Motive des Eintritts oder Wiedereintritts gesprochen, hier können Vorbehalte und Fragen geklärt werden und der Pfarrer oder die Pfarrerin wird sich bemühen, einen Einblick in die Strukturen der Kirche und Besonderheiten der Kirchengemeinde zu geben. Hier können Fragen und Vorbehalte offen ausgesprochen werden.  Pfarrer sind an die seelsorgerliche Schweigepflicht gebunden. Vielleicht wird hier verabredet, über Fragen des Glaubens, der Kirchenpolitik oder dem Engagement in der Gemeinde im Gespräch zu bleiben.
Daraufhin kann der Aufnahmeantrag ausgefüllt werden.   

2) Wird der Aufnahmeantrag in einer Kircheneintrittsstelle gestellt, so wird ein Kontakt zur jeweiligen Wohnortgemeinde angeboten.  
Ist der von den Antragstellern und dem Pfarrer unterschriebene Antrag in der Wohnsitzkirchengemeinde eingetroffen, gilt die Aufnahme, sofern nicht andere Beschlüsse in der Wohnsitzkirchengemeinde diesem entgegenstehen. 

3)  Von Pfarrerin oder Pfarrer wird angeboten, die Aufnahme in einem Gottesdienst oder in Anwesenheit von zwei Presbytern nach einem in der Gottesdienstordnung vorgeschlagenen Aufnahmeritus mit einer Segenszusage zu feiern.  Dabei verpflichtet sich der bzw. die Aufzunehmende , am Gemeindeleben und den Gottesdiensten teilzunehmen,  und stellt sich zustimmend zu den Bekenntnisgrundlagen der evangelischen Kirche: der Heiligen Schrift, den Glaubensbekenntnissen, den reformatorischen Texten und der Bekenntnisschrift "Barmer Theologische Erklärung", die in der Erfahrung der Kirche mit dem Nationalsozialismus entstanden ist.  Die Entstehung  mancher Bekenntnisschriften liegt zum Teil weit in der Geschichte zurück. Sie haben aber für die Gemeinden manchmal auch durch die lokale Geschichte große Bedeutung. Solche Bezüge können im Gespräch mit den Ortspfarrern entdeckt werden. 

Welche Formalitäten müssen erledigt werden?
Der Aufnahmeantrag kann im Pfarramt angefordert werden und wird im Anschluss an das Gespräch mit einem Pfarrer unterschrieben. Taufurkunde und Konfirmationsurkunde bzw. Austrittsbescheinigung sollten gegebenenfalls zu dem Gespräch mitgebracht werden.
Sind diese nicht vorhanden bzw. auffindbar, können sie durch eine Eidesstattliche Erklärung ersetzt werden. 

Welche Rechte und Pflichten entstehen für mich durch den Eintritt?
Wer als getaufter Christ aufgenommen worden ist, hat das Recht, am Abendmahl teilzunehmen, und darf das Patenamt ausüben. Er/Sie hat, sofern älter als 16 Jahre, das Recht , an der Gemeindeversammlung teilzunehmen und hat mit Stimmrecht bei der Presbyterwahl. Religionsunmündige getaufte Kinder unter 14  Jahren erwerben diese Rechte durch die Konfirmation, sofern sie nicht durch die Firmung oder einen ähnlichen Unterricht gegangen sind.
Neben der Beteiligung am Gemeindeleben wird der/die in die Evangelische Kirche aufgenommene Christ/in durch den Kirchensteuerbeitrag an den finanziellen Kosten der kirchlichen Arbeit beteiligt, sofern er/sie ein lohnsteuerpflichtiges Einkommen hat.

Welche Kostenkommen auf mich zu?
Für die Aufnahme entstehen keine Kosten.
Durch die Aufnahme wir jede/r Lohnsteuerpflichtige an der Finanzierung der kirchlichen Arbeit mit der  Kirchensteuer beteiligt. 

Kirchensteuer
Mit der Kirchensteuer finanzieren sich die großen Kirchen in der Bundesrepublik. Sie können selbst Steuern von ihren Mitgliedern erheben, denn sie sind Körperschaften öffentlichen Rechts.
Daher gilt: Wer Mitglied der Kirche ist und verdient, wird, wenn er/sie Lohnsteuerpflichtig ist, automatisch mit Kirchensteuer belastet.
Die Kirchensteuer wird aus Kostengründen und um das Verfahren einfach zu halten, über das Finanzamt abgerechnet. Für die Abrechnung zahlt die Kirche Gebühren an das Finanzamt. Vom Finanzamt werden die Kirchensteuern an eine kirchliche Clearingstelle überwiesen, die die gerechte Verteilung der Kirchensteuern auf die Gemeinden übernimmt. Die Kirchensteuer beträgt zur Zeit etwa 9 % der Lohnsteuer. Unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen (meist oberhalb der  Höhe des Sozialhilfesatzes) muß Kirchensteuer nicht abgeführt werden. Alle, die keine Lohnsteuer zahlen, zahlen daher auch keine Kirchensteuer (Kinder, Studenten, Rentner, Arbeitslose). Oberhalb bestimmter Einkommensgrenzen kann eine Kappung der Kirchensteuer beantragt werden. Hinweise dafür gibt die Finanzabteilung des Kirchenkreises.

Was geschieht mit der Kirchensteuer?
(am Beispiel der Evangelischen Kirche im Rheinland)
Die Kirchensteuer wird über das Finanzamt an die Landeskirchen überwiesen. Bevor die Gemeinde ihre Kirchensteuer bekommt, werden Umlagen abgezogen, mit denen Landeskirchliche Aufgaben und Kreiskirchliche Aufgaben finanziert werden: Die Pfarrgehälter, theologische Ausbildungszentren,  Ämter, Akademien, Diakonische Werke, Universitäten, Kirchliche Rechenzentren, aber auch Kosten für entwicklungspolitische Projekte, Schulen, Internate und Hilfswerke. Dort wird sie in einem Umlageverfahren an die Kirchengemeinde weitergegeben. Jede Kirchengemeinde erhält einen Pro-Kopf-Betrag pro Kirchenmitglied und kann über diese Mittel frei verfügen.
Daraus werden die Haupt- und nebenamtlichen Kräfte finanziert (Arbeitsplätze für Gemeindehelfer, Küster, Musiker, Pädagogen) Die Kirchengemeinde bezahlt damit anteilig auch Kindertagesstätten 27% und Offene Jugendeinrichtungen 10% .
Auf der Sachkostenebene werden Gemeinderäume und Kirchengebäude instand gehalten und die laufenden Sachkosten für die Arbeit der Kirchengemeinde bezahlt. Dazu gehören Blumenschmuck in der Kirche, Verteilschriften, Porto, Telefon, laufende Kosten für Strom Heizung, etc. .

Kann ich , in der Vergangenheit aus der ev. Kirche ausgetreten,  wieder eintreten?
Ein Wiedereintritt ist möglich. In dem Gespräch mit dem/der Pfarrer/in werden die Motive angesprochen. 

Kann ich die Aufnahme in eine Gemeinde beantragen, auch wenn ich an anderer Stelle wohne?
Es besteht die Möglichkeit,  nach einer Aufnahme in der Gemeinde des Wohnsitzes die Gemeindezugehörigkeit zu einer anderen Gemeinde zu beantragen.
Dies gilt nur für besondere Fälle, z.B. bei einer hauptamtliche Tätigkeit in der anderen Gemeinde, oder wenn ein kirchliches Amt ausgeübt wird. Es wird diskutiert, diese Regelung zu liberalisieren und die Gemeindezugehörigkeit flexibler zu handhaben.

Kirchenaustritt
Welche Schritte muß ich für den Kirchenaustritt unternehmen?
Bislang reicht es, beim Amtsgericht am Wohnort persönlich zu erscheinen und ein Antragsformular auszufüllen. Dazu ist die Vorlage des Personalausweises nötig.

Welche Konsequenzen hat der Austritt für mich?
Der Austritt bedeutet formell gesehen den Verlust der Mitbestimmungsrechte im Gemeindeleben und des Anspruches auf Dienste der Kirche (Hausbesuche, Gemeindezeitung). Die Möglichkeit, Taufpate zu sein, eine evangelische Trauung oder Beerdigung feiern zu können, besteht nicht mehr. Eine bevorzugte Behandlung bei kirchlichen Schulen, Kindergärten und Altenheimen sowie die berufliche Einstellung durch evangelische Träger gehen mit dem Austritt verloren. 

Welche Konsequenzen hat der Austritt für die Kirche?
Die Ortsgemeinde verliert damit ein Mitglied - und das auf allen Ebenen: menschliche Gemeinschaft geht verloren, die Vielfalt auch kritischer Stimmen wird ärmer, die Möglichkeiten sozialen Engagements verlieren ihre Basis, das Netzwerk der nachbarschaftlichen Verbindlichkeit wird dünner.
Schließlich ist ein Austritt für die Ortsgemeinde auch ein Verlust auf finanzieller Ebene. Mit jedem Austrit wird der für die Kirchensteuerzuweisung angerechnete Zuschuss kleiner. Damit geraten Arbeitsplätze  und Arbeitsfelder in Gefahr in Gefahr .

Am Beispiel der Ev. Johannes-Kirchengemeinde in Düsseldorf
  ist die Entwicklung für viele Kirchengemeinden zu erkennen. Durch Kirchenaustritte mussten in den letzten fünf  Jahren 50 % aller Personalstellen auf allen Ebenen vom Küster bis zur Pfarrstelle gestrichen werden, wichtige Arbeitsgebiete wie die Jugendarbeit oder die Seniorenarbeit können nicht mehr professionell betreut werden. Ganze Arbeitsgebiete - z. B. der Seniorenentlastungsdienst durch Zivildienstleistende und die Kirchenmusik - werden aus Einzelspenden und Kollekten finanziert, langfristige Arbeitsverträge kommen so nicht mehr zustande. Kommunale Aufgaben wie die Unterhaltung von Kindertagesstätten sind langfristig nicht mehr im gleichen umfang zu leisten. 
Welche Kosten kommen auf mich zu?
Beim Austritt entstehen wie beim Eintritt keine Kosten von kirchlicher Seite.
Möglicherweise gibt es Bearbeitungskosten beim Amtsgericht.